Immobilie schützen: 5 Tipps für Musiker mit Studio

Immobilie schützen: 5 Tipps für Musiker mit Studio

Wer viel Zeit und Geld in ein Homestudio steckt, denkt selten an die Wände drumherum. Genau das wurde Markus L. fast zum Verhängnis. Der Gitarrist und Produzent aus dem Rheinland hat vor sechs Jahren einen Teil seines Einfamilienhauses zum Proberaum und Aufnahmestudio umgebaut. Nach einem Wasserschaden im Winter hat er sich zum ersten Mal ernsthaft mit dem Thema Immobilienschutz beschäftigt. Wir haben ihn gefragt, was er dabei gelernt hat.

Markus, du machst seit über zwanzig Jahren Musik. Wie bist du überhaupt zum Thema Versicherung gekommen?

Ehrlich gesagt durch Schaden. An einem Januarmorgen ist in der Wand hinter meinem Studio ein Rohr geplatzt. Das Wasser lief die halbe Nacht, bevor ich es gemerkt habe. Dämmung durchnässt, Estrich hin, und mein halbes Equipment stand in einer Pfütze. Da wird einem schnell klar, dass so ein Raum mehr ist als nur ein Hobbyzimmer. Vorher hatte ich mich nie damit befasst, wie man ein Gebäude eigentlich richtig absichert.

Was war der erste Schritt, den du empfehlen würdest?

Sich überhaupt klarmachen, was die eigene Police leistet. Viele haben irgendwann mal eine Wohngebäudeversicherung abgeschlossen und nie wieder reingeschaut. Ich habe damals abends am Küchentisch verschiedene Angebote nebeneinandergelegt und mir einen Gebäudeversicherung-Vergleich durchgelesen, der genau aufschlüsselt, welche Schäden abgedeckt sind und welche nicht. Erst da habe ich verstanden, dass Feuer, Leitungswasser und Sturm der Standard sind, aber längst nicht alles automatisch mit drin ist. Dieser Aha-Moment hat mir mehr gebracht als jedes Beratungsgespräch.

Homestudio mit Mischpult, Mikrofon und Gitarrenverstärker in einem privaten Haus

Ein Proberaum im Eigenheim ist voller teurer Technik – umso wichtiger ist der Schutz der Immobilie drumherum.

1. Elementarschutz nicht als Beiwerk abtun

Das war für mich die größte Überraschung. Sturm und Hagel sind bei fast jeder Gebäudeversicherung dabei. Aber Starkregen, Überschwemmung oder Rückstau aus der Kanalisation? Das ist ein eigener Baustein, der Elementarschutz heißt, und den hat längst nicht jeder. Laut Verbraucherzentrale sind zwar rund 95 Prozent der Wohngebäude versichert, aber nur etwa die Hälfte davon hat auch den Elementarbaustein. Bei mir liegt das Studio im Souterrain, da wäre bei Starkregen genau der Raum betroffen, in dem die teure Technik steht. Ich habe den Baustein nachträglich ergänzt, das kostet je nach Lage oft nur einen kleinen Aufschlag im Jahr.

2. Die Versicherungssumme im Auge behalten

Ein Punkt, den kaum jemand auf dem Schirm hat: Unterversicherung. Wenn der Wert deines Hauses steigt, du aber noch mit der alten Summe versichert bist, zahlt die Versicherung im Ernstfall nur anteilig. Bau- und Handwerkerkosten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Die meisten Verträge laufen deshalb über den sogenannten gleitenden Neuwert, der die Summe automatisch anpasst. Trotzdem lohnt es sich, alle paar Jahre reinzuschauen, ob der Wert noch stimmt. Gerade wenn man ausgebaut oder saniert hat, so wie ich mit dem Studio.

Und der Umbau selbst? Muss man den melden?

Auf jeden Fall. Als ich das Souterrain ausgebaut habe, hat sich der Wert des Hauses spürbar verändert. Neue Trockenbauwände, eine bessere Dämmung, zusätzliche Elektrik. Das alles gehört zur Substanz und damit zur Gebäudeversicherung. Ich habe meinen Versicherer damals informiert, was zunächst nach Papierkram klang, mir aber im Nachhinein den Rücken freigehalten hat. Wer solche Veränderungen verschweigt, riskiert, dass die Leistung im Schadensfall gekürzt wird. Ein kurzer Anruf spart später viel Ärger.

3. Das Studio richtig angeben

Das ist der Punkt, an dem es für Musiker interessant wird. Sobald du einen Raum gewerblich oder halbgewerblich nutzt, etwa für bezahlte Aufnahmen oder Unterricht, kann das für die Versicherung relevant sein. Ich habe mit meinem Berater durchgesprochen, wie ich das Studio deklariere. Wichtig ist auch die Abgrenzung: Die Gebäudeversicherung deckt das, was fest verbaut ist, also Wände, Böden, Heizung. Meine Instrumente, Verstärker und Mikrofone gehören dagegen zum Inventar und laufen über andere Verträge. Wer viel eigenes Equipment hat, sollte sich ohnehin ansehen, wie sinnvoll der Abschluss einer Instrumentenversicherung ist, denn die springt genau da ein, wo die Gebäudepolice aufhört.

Merkt man diese Trennung im Schadensfall wirklich?

Und wie. Bei meinem Wasserschaden hat die Gebäudeversicherung Estrich, Dämmung und die neue Wand bezahlt. Für die durchnässten Effektgeräte und das Interface war ich selbst zuständig, weil die eben zum beweglichen Equipment gehören. Hätte ich das vorher sauber getrennt und beides versichert, wäre die Sache glimpflicher ausgegangen. Diese Lücke unterschätzen viele, die sich ihr Audio-Equipment für zuhause über Jahre zusammengespart haben.

4. Brandschutz und Elektrik ernst nehmen

Ein Studio ist ein Technikraum. Verstärker, Netzteile, Mehrfachsteckdosen, Kabel überall. Das ist eine Brandlast, die man nicht unterschätzen sollte. Die Zahlen des Gesamtverbands der Versicherer zeigen zwar, dass Naturgefahren die großen Schadenssummen treiben, aber Feuer bleibt für den Einzelnen das existenzielle Risiko. Ich habe die Elektrik im Studio nach dem Umbau von einem Fachbetrieb prüfen lassen, Rauchmelder in jedem Raum installiert und einen kleinen Feuerlöscher griffbereit. Manche Versicherer geben sogar Nachlass, wenn bestimmte Schutzvorkehrungen vorhanden sind. Fragen kostet nichts. Und wer viel mit Röhrenverstärkern arbeitet, weiß, wie warm die Geräte werden. Ich schalte inzwischen alles konsequent ab, bevor ich den Raum verlasse, und lasse keine Ladegeräte oder Endstufen unbeaufsichtigt laufen.

5. Regelmäßig prüfen statt einmal abschließen

Der wichtigste Punkt zum Schluss: Eine Versicherung ist kein Möbelstück, das man einmal hinstellt und vergisst. Lebensumstände ändern sich, das Haus verändert sich, die Preise auch. Ich schaue inzwischen einmal im Jahr über meine Verträge, so wie ich meine Gitarren stimme, bevor ich spiele. Dabei geht es nicht darum, ständig zu wechseln, sondern zu wissen, dass der Schutz noch passt. Zehn Minuten im Jahr, die im Ernstfall über sehr viel Geld entscheiden.

Was würdest du anderen Musikern mit auf den Weg geben?

Behandelt euren Proberaum wie das Instrument, das er umschließt. Ihr pflegt eure Gitarren, ihr wartet eure Anlage, ihr feilt an jedem Sound. Der Raum drumherum verdient dieselbe Sorgfalt. Musik ist für viele von uns nicht nur Hobby, sondern ein Ort, an dem ein Stück Lebensgeschichte hängt. Diesen Ort abzusichern ist keine Bürokratie, sondern Respekt vor der eigenen Arbeit. Und ganz ehrlich: Nach dem Wasserschaden schlafe ich deutlich ruhiger, seit ich weiß, dass die Wände genauso gut versichert sind wie die Töne, die zwischen ihnen entstehen.

Wer sein Zuhause bewusst als kreativen Rückzugsort begreift, denkt am Ende auch anders über Sicherheit nach. Manchmal ist Musik eben nicht nur Klang, sondern auch ein Stück gelebte Entspannung, die man sich zu Hause bewahren möchte.

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